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  • Jelena Martinelli

Gute Vorsätze: Setzen Sie Ihre Texte auf Diät

Sie kennen es: Sobald der Kater auskuriert und der letzte Zimtstern verdaut ist, gehen auch die Neujahrsvorsätze den Weg alles Irdischen. Das Fitnessabo wird in der Schublade begraben und das Feierabendbier aus dem Kühlschrank geholt.


Doch was tun, wenn man es nicht schafft, dem eigenen Speck an den Kragen zu gehen, aber trotzdem etwas verändern will im neuen Jahr?


Mein Vorschlag: Setzen Sie Ihre Texte auf Diät. Den meisten täte es gut, ein paar Fettpölsterchen zu verlieren, und Sie brauchen dafür kein einziges Salatblatt zu essen.


Denn ob Firmenblog, Diplomarbeit oder E-Mails: Oft sind Texte zu lang und zu umständlich. Das ist meistens der Grund, warum sie entweder nicht gelesen oder nicht verstanden werden. Um Texte leserfreundlich zu schreiben, gibt es viele Kniffe – für den Anfang schlage ich vor, dass Sie folgende Wörter meiden. Ihre Texte werden gleich leichter zu lesen sein.


Blähwörter


Das sind Wörter, die verlängert worden sind, um ihnen eine Aura von Wissenschaftlichkeit und/oder Autorität zu verleihen. Hier zwei sehr beliebte:


Problemfeld, das; Substantiv. Man trifft es in jeder Branche und in jeder Powerpoint-Präsentation. Meistens braucht man es im Plural – die Problemfelder. Doch was soll man mit ihnen machen? Sie pflügen? Sich darin verstecken? Nennen Sie das Kind lieber beim Namen und sprechen Sie von Problemen.


Wertestruktur, die; Substantiv. Dito. Genauso die Angebotsstruktur und die Motivationsstruktur. Klar kann es sein, dass Sie «Wertestruktur» meinen – wenn Sie Soziologe sind. Wenn nicht, sind die Strukturen überflüssiges Fett und haben in Ihren Sätzen nichts zu suchen. Die Werte, das Angebot; das sind aussagekräftige Wörter. Widerstehen Sie der Versuchung und verzichten Sie auf unnötige Anhängsel.


Untätige Verben


Verstehen Sie mich richtig: Verben sind toll. Denn Verben sind Macher. Sie packen an, treiben vorwärts, sie siegen oder verlieren. Aber Achtung: Es gibt auch solche, die nur so tun, als ob sie etwas täten. Diese sollten Sie meiden; vor allem, wenn sie nur in Kombination mit einem Nomen bestehen können.


tätigen, schwaches Verb. «Schwach» bezieht sich zwar auf die Art der Konjugation, aber es trifft auch als Urteil zu. Wir haben für jede erdenkliche Handlung ein Verb. Trotzdem finden Leute, sie müssen einen Kauf, einen Anruf oder sogar einen Zusammenschluss tätigen. Kaufen Sie, rufen Sie an und schliessen Sie sich mit anderen zusammen. Nur tätigen Sie um Gottes willen nichts.


generieren, schwaches Verb. Umsatz generieren, Gewinne generieren, Volumen generieren, Mehrwert generieren. Wieso nicht auch gleich Kinder generieren? Denn generieren heisst ursprünglich zeugen, erzeugen, hervorbringen. Aber so lustfeindlich sind wir dann doch nicht. Auch die Wirtschaft hat Besseres verdient: Spucken wir in die Hände und erschaffen, wachsen und erwirtschaften wir wieder.


Passivsatz-Wörter


seitens, Präposition. Seitens meiner ist die Wäsche gewaschen worden. Sie lachen? Seitens der Regierung ist eine Erklärung abgegeben worden…


Sätze im Aktiv sind besser als Sätze im Passiv. Natürlich gibt es Ausnahmen, wie immer bei solchen Regeln. Aber fragen Sie sich beim nächsten E-Mail, das Sie lesen oder verfassen: Schreibt hier ein gesichtsloser Niemand und Dinge passieren irgendwie (Passiv)? Oder schreibt ein Mensch aus Fleisch und Blut, der selbstbewusst sagt: Ich habe heute beschlossen, sämtliche Guidelines abzuschaffen (Aktiv)? Was mögen Sie lieber? Was verstehen Sie besser?


Politiker und fiese Wirtschaftsbosse verstecken sich übrigens gerne hinter dem Passiv und seitens ist ihr treues Helferlein. Streichen Sie das Wort aus Ihrem Wortschatz und viele hässliche Passivsätze werden nie das Licht der Welt erblicken.



Und? Waren Sie schon im Keller und haben Ihre Hanteln versorgt? Gut so. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg im neuen Jahr und vor allen Dingen fitte Texte.


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© 2020 by martinellitext

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